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Hafenerlebnisse 1947.

Mai 26, 2015

De Möllers

De „Möllers“

 

De Möllers vun`ne Wyk

Bild: Mit freundlicher Genehmigung vonWalter Lüden, Verlag Niko Jessen, Nebel/AmrumOpa Möller

„Denn kummt man mol daal, jemm Beiden“ Diese Worte hauten Claus und mich aus den Puschen, wie man so sagt. Und mit vor Stolz bald platzender Brust stiegen wir den Niedergang zum „Logis“ von Opa Möller hinab. Ich hatte mal wieder etwas Tabak für Kaptain Julus Möller bei meinem Opa abgestaubt und überreichte  ihn an unseren Gastgeber.

Ob der Tabak nun der Schlüssel für den Besuch in seinem Logis war, weiß ich nicht.

Niemand durfte in seine Kajüte runter, wirklich Niemand, nicht einmal seine Söhne Julus und Jens, die mit ihm auf seiner „Christine“ fuhren! Opa Möller, wie wir ihn unter uns nannten, zog oben an Deck die Schuhe aus, und auch seine immer brennende Pfeife hatte ihren Platz am Mast in einer Öse, denn unten wurde nicht geraucht.

Wir schauten uns ungläubig um. Alles piekfein, wie in einer Puppenstube. Schöne Vorhänge vor den Kojen, Kissen auf den Bänken davor, Tischdecke auf dem kleinen Tisch und viele Bilder!!

Diese Ordnung und Sauberkeit herrschte aber auch in allen anderen Räumen, sogar im Maschinenraum, wo der 120 PS Diesel stand, auf dem Opa Möller besonders stolz war, konnte man vom Boden essen, wie man so sagt.

Denn Kapitän Julius Möller war ein „ Kaphorner “, hatte auf großen „Windjammern“ gefahren und dabei mehrfach um Kap Horn. Das wir zwei zwölfjährigen Jungens nun neugierig wurden,lag natürlich in der Natur der Sache.

Dann erklärte er uns die Bilder und kam ins Reden. Er erzählte von seinen Fahrten, mit großen Segelschiffen, sog. Windjammern, um die Welt , als junger Matrose mehrfach um Kap Horn. Wir hingen gebannt an seinen Lippen und trauten uns nicht etwas dazu zu sagen, vor Angst, er könne seine Erzählungen beenden.

Unser Entschluß , nach Schulabschluss zur See zu fahren, festigte sich immer mehr, je ausführlicher Kaptein Möller von der Seefahrt erzählte.Opa Müller Kaptein Müller am geladenen Laderaum seiner Christine.

Als wir wieder an Deck kletterten sah Julus uns ganz ungläubig an. Er konnte anscheinend nicht fassen, dass wir bei Opa im Logis waren ,wo er ja nicht hin durfte. Wir haben es ja selbst nicht geglaubt. Das dieses Ereignis und die Einstellung des Kapteins Möller ,in Bezug auf Besucher in seiner Kajüte, den Tatsachen entspricht, belegt Gerhard Bohde in seinem Buch „Kaptein un een Lüüd“Abschnitt“ De Möller Flotte“

Bild: Claus S.Klassentrefen 1991 rechts und linke der Autor 1996.

 

 

 

Claus verkehrte damals auch auf der „Oste“. Auch ein „ Klütenewer “ wie die „Christine“, die“ Hermine“ (auf der Kuddel Fleut das Sagen hatte) und auch die „Preziosa“. Diese Schiffe versorgten die Inseln mit Allem, was da benötigt wurde.

Die „Oste“ gehörte dem ältesten Sohn Hein von Opa Möller. Bei ihm fuhr sein jüngerer Bruder Klaus als „Bestmann“. Durch „meinen“ Claus kam ich nun auch an Bord der Oste.

Natürlich wurde ich nach meiner Herkunft gefragt. Als ich erzählte, dass ich in Schwesing groß geworden bin, horchten die beiden Möllers auf und erzählten mir, ihre Schwester Christine lebt da und ist mit einem Bauern verheiratet.“Jo“, sagte ich ,“Die kenne ich, Christine Carstensen, Dina achter de Wall, se stammt vun Föhr“. Jo doröver hemm wi lang schnackt.

Vun nu an kunn ick to jede Tied an Bord kommen, op de Oste, genau as op de Christine.

Ja, ich weiß, ich schreib schon wieder Platt. Ich bessere mich.

Es war Sommer 1947.Das Beiboot der Oste lag fast immer im Wasser und wir durften zu fast jeder Zeit damit im Hafen rumfahren. Außer bei Ebbe natürlich. Es hatte aber nur einen Riemen, wie damit rudern?

„Kumm her, ick bring di dat Wriggen bi“ sagte Claus und legte den langen Riemen in die dafür vorgesehene, halbrunde Aussparung im Heckspiegel. Meine ersten Versuche warfen mich fast über Bord und Claus lachte sich einen Ast!!Doch schnell hatte ich die Technik raus und wir rauschten durch den Hafen. Viel Spaß machte das Bootfahren und wir erlebten viel dabei. Darauf aber hier eingehen, sprengt doch etwas den Rahmen!

Zurück zu den Möllers.

Ab und zu bestand die Fracht auch aus sog. Massengütern, wie Steine, Sand, Kohlen , oder sogar Getreide. Dann bekam ich jedes Mal Kohlen oder Getreide mit, soviel ich tragen konnte. Jo, das war zuhause dann immer ein willkommenes Zubrot, damals , in der schlechten Zeit.

Dafür bekamen die Möllers dann Tabak von Opa! Das mit dem Tabak damals………dolle Geschichten!!!!!!!

So etwa sahen die zwei Freunde vor fast 62 Jahren aus, solange dauert nun schon unsere Freundschaft. Nur, Claus durfte zur See und ich habe erst einen Beruf erlernen müssen, und………………dann kam alles ganz anders!!!

Meine Begegnungen mit den „Möllers“ wurden immer seltener, denn es ging immer mehr Zeit für die Versorgung der Familie drauf.

Zu der Zeit gab es noch kein Hartz 4, wie heute, wir hatten NICHTS, gar nichts, wir kamen von GANZ unten. Was blieb mir anderes übrig, als ältester von 4 Geschwistern und ohne Vater, für den Familienunterhalt mit zu sorgen. Wir hätten es gerne so bequem und sicher gehabt , wie die Leute heute mit ihrer Rundumversorgung!

Nun ja, das war eben das „ganz Andere“ und hatte auch nichts mehr mit dem Thema „Möllers“ zu tun.

 

Anmerkung : Möllers ist die plattdeutsche Version von Müller.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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