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Auf dem Dorf.

Mai 7, 2015

Meine Großeltern haben während meiner Anwesenheit grundsätzlich nicht über Politik gesprochen. Insofern hat es mich in dem Alter auch nicht interessiert. Trotzdem wurde mir nahegelegt, von dem, was hier gesprochen wurde, nie etwas draußen zu erzählen.

Aus späteren Erzählungen habe ich dann erfahren, mein Großvater MUSSTE ein sog. Spiegelei tragen, weil er ansonsten als selbstständiger Malermeister ausgeschlossen wurde, sich also an keinen öffentlichen Ausschreibungen beteiligen durfte. Selbst das Fleischbeschauen, sein zweites Standbein, wurde ihm untersagt ! Was blieb ihm also übrig, er musste in die Partei eintreten. Zu den Parteiveranstaltungen ist er aber nie gegangen.

Nun, wir Kinder, besonders wir Jungen wollten einfach dazu gehören, wollten im Besitz der entsprechenden Attribute sein, wollten mitmachen, nicht abseits stehen.(Aber darüber habe ich schon an anderer Stelle geschrieben).

Ja , wir hatten Angst, abgeholt zu werden, wie es damals hieß und es wurden Leute aus unserem Dorf abgeholt, waren einfach eines Tages verschwunden.

Immer wieder wurde uns gesagt.“ Vertell sowatt nich, denn warst du afholt“.

Auf unsere/meine Frage wohin wir abgeholt werden gabe es nur immer wieder die Antwort „ In`t Laager“ und das war es dann. Ja, es herrschte große Angst, und ….alle wussten von DEM Lager.

Hinzu kamen aber junge Männer, die kein oder sehr wenig Deutsch sprachen. Kriegsgefangene waren es, die bei unseren Bauern arbeiten mussten, weil die meisten jungen Bauern an der Front waren.

Einen von ihnen nannten wir Iwan. Ob es tatsächlich sein Name war, oder er nur so genannt wurde , weil er Russe war, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn er Zeit hatte, spielte Iwan mit uns. Er zeigte uns wie kleine Kartoffeln in ein Peitschenleder geknotet und dann weit, sehr weit damit geschleudert wurden. Ebenso steckte er die Galläpfel, die am Kartoffelkraut wuchsen, auf einen Weidenstab und schleuderte die Frucht gekonnt auf das von ihm ausgewählte Ziel. Meisten traf er.

Später haben wir den BDM Mädchen beim Kartoffeln sammeln so die Galläpfel auf die Hintern geknallt. Die Mädchen durften sich ja nicht knien, sondern nur bücken beim Sammeln. Jaaaaaaaaaaa, ich weiß , so etwas macht man nicht.

Iwan hat uns Jungens in seinem holperigen Deutsch viel aus seiner Heimat erzählt, wovon ich fast alles vergessen habe. Aber auch dass es ihm sehr gefallen hat, hier zu sein.

Dann kam der Krieg auch zu uns in unser Dorf

 

 

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4 Kommentare
  1. es gibt so viele Erinnerungen dazu, ich würde schon gerne einige davon vergessen, schönes Wochenende, Klaus

  2. Eine … interessante Geschichte – um nicht das Attribut „schön“ zu gebrauchen. Sie deckt sich mit den Geschichten, die auch mir erzählt wurden. Ich genieße die Gnade der „späten Geburt“ 14 Jahre nach dem Krieg. Aber meine Eltern, Onkel und Tanten, und Großeltern haben erzählt. Später, als ich nachgefragt habe und verstehen wollte.
    2012 war ich in Polen / Pommern auf dem Hof meiner Großeltern. Um mein Verstehen abzuschließen: https://sven2204.wordpress.com/2012/09/05/nachdenkpause/
    Aber die Geschichte interessier mich nach wie vor. Auch um meinen Kindern und Enkelkindern erzählen zu können, quasi weiterzugeben, was meine Eltern mir gegeben haben, um möglichst „so etwas“ in Zukunft weiter zu verhindern.
    Ich werde mir die Geschichte kopieren und in meine persönliche Sammlung mit aufnehmen. Danke.
    Viele Grüße

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