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Theodor Storm

Dezember 8, 2014

Weihnachstabend 1852

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,

der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.

Weihnachten war`s; durch alle Gassen schwoll

der Kinder Jubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,

drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:

„Kauft, lieber Herr!“Ein magres Händchen hielt

feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein

sah ich ein bleiches Kinderangesicht;

wes Alters und Geschlecht es mochte sein,

erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,

noch immer hört ich, mühsam, wie es schien,

„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlass;

doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? -War`s Ungeschick, war es die Scham,

am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?

Eh meine Hand zu meiner Börse kam,

verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,

erfaßte mich die Angst im Herzen so,

als säß mein eigen Kind auf jenem Stein

und schrie nach Brot, indessen ich entfloh……….Theodor Storm

läßt sich ohne weiteres in die heutige Zeit versetzen!!!

 

 

 

 

 

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4 Kommentare
  1. Ja. Es ist ein disharmonisches Gedicht, für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich.

  2. es gibt mit Vielem Übereinstimmungen, ich denke nur an die Wertung der Generationen übereinander, eine gute Woche wünsche ich, Klaus

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