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ERINNERUNGEN

September 27, 2014

Aus dem Leben eines Handwerksmeisters.

Der Holzwurm.
Ein kleiner Käfer von nicht einmal 3mm Größe, verursachte samt seiner Nachkommenschaft einen Millionenschaden in einem Privathaushalt.
Er nistete sich in einem Wandschrank ein. Weiß der Teufel, wie er da hinein gekommen ist.
Jedenfalls fand der Eigentümer dieses Hauses eines morgens vor seinem Wandschrank auf dem dunkel braunen Teppichboden die Hinterlassenschaften dieses kleinen Tierchens, in Form von Holzmehlhäufchen.
Der Architekt des Hauses wurde benachrichtigt, sah sich diese Häufchen an und bestellte einen Kammerjäger.
Kein Problem, meinte dieser, der ist ruckzuck erledigt, den vergasen wir einfach.
Das mit dem „Einfach“ hätte er lieber lassen , und über Eventualitäten intensiver nachdenken sollen.
Dieses Zimmer, von ca dreißig Quadratmeter Größe wurde ausgeräumt. Die Fenster und Türen luftdicht verklebt und der Herr Kammerjäger begann seine „Vergasung“ indem er das Gas durch eine kleine Öffnung in das Zimmer strömen liess.
Zwei Tage sollten reichen, meinte er, dann sind alle Holzwürmer tot.
Nach Ablauf der Zeit öffnete er Türen und Fenster um das übrige Gas abziehen zu lassen.
Aber was war mit dem Teppichboden los, der war ja ganz „matschig“ und trotz intensiver Lüftung stank es nun erbärmlich.
Der Kunststoffschaumrücken des Teppichs hatte sich durch das Gas aufgelöst.

Und nun stank das ganze Haus nach diesem Zeug. Das ganze Haus?,…ca 2100 m2 Wohnfläche. Na das kann ja heiter werden, und wurde es denn auch. Denn nun war das Haus so gut wie unbewohnbar.
Der Wandschrank, in dem die Holzwürmer ihr Unwesen getrieben haben, wurde abgebaut. Die Vorderfront hatten sie unversehrt gelassen, weil sie aus Zitronenholz war, wie auch die Deckenverkleidung. Nur die Unterkonstruktion aus Fichtenholz hatte ihnen geschmeckt und war restlos zerstört.
Das Zimmer, in der Schaden den Ursprung genommen hatte, besaß eine Tür zur wesentlich größeren Eingangshalle, die nun auch in Mitleidenschaft gezogen war.Der Hausherr zog sich mit seiner Frau in sein Hotel im Schwarzwald zurück und überliess dem Architekturbüro alles übrige.
Guter Rat war nun teuer. Ein Gutachter wurde bestellt. Die Versicherungsrelevanten Fragen wurden geklärt, die nötigen Arbeiten ausgeschrieben. Mit einem Großteil der Arbeiten wurden die Handwerksfirmen beauftragt, die schon so viele Jahre für den Hausherrn und seinen Betrieb arbeiteten.
Es stellte sich heraus, der Beton an den Decken musste ca 4cm abgetragen werden, ebenso der Putz an den Wänden und die Estrichschicht in den Böden, weil sich diese Schicht mit dem Gas vollgesogen hat und ebenso erbärmlich stank.
Nun, die Eingangshalle hatte eine Fläche von ca Einhundertfünzig Quadratmetern. Der Boden bestand aus schwarzem, poliertem Granit, wie den nun vor den herabfallenden Betonbrocken schützen.
Des Rätsels Lösung waren Doppel „T“ Träger von Fünfzig mal Fünfzig Zentimetern und einer Länge von zehn Metern. Von denen drei Stück, dieser tonnenschweren Träger jeweils zwanzig Zentimeter über dem Granitboden in die Wände eingelassen wurden. Auf die Träger wurde ein neuer Boden verlegt.
Welch ein Aufwand !!

Unsere Firma bekam den Auftrag, nach Beendigung der groben Arbeiten, sprich die Neubeschichtung der Beton- und Putzflächen, das gesamte Haus zu renovieren.
Mit zwei weiteren Mitarbeitern bekam ich den Auftrag, diese Arbeiten aus zu führen und habe mich gefreut. Denn ich wusste, was auf mich zukam, nämlich Malerarbeiten vom Feinsten. Naja, das Architekturbüro sowie der Hausherr war diese Qualität von uns gewohnt. Und ich kannte den Hausherrn (Name nenne ich hier nicht) ja schon so viele Jahre.

So wurden es denn vier Monate. Solange dauerte, trotz intensivem Bemühen schneller fertig zu werden, diese Renovierung, die von so ein paar kleinen Tierchen ausgelöst wurde.
Inzwischen war auch der Hausherr wieder zurück gekommen. Kurz vor Beendigung unserer (d.h. der letzten Handwerker, wie Schreiner, Elektiker und wir Maler) Arbeiten fiel mein sechzigster Geburtstag in diese Zeit. Nun, ich wurde genötigt etwas aus zu geben. So fuhr ich runter in den Ort und kaufte bei beiden Bäckern die Plunderteilchen weg, so fünfunddreißig Stücke.
Als ich wieder oben war, stand schon wie am jeden Tag, der Kaffee fertig da, den die Haushilfe für uns kochte.
Dann ging die Tür auf und der Hausherr rief :“Wo ist das Geburtstagskind“. Er beglückwünschte mich zum 60., und schenkte mir aus seiner Orchideenzucht fünf Pflanzen. Er besaß ein Gewächshaus im Garten mit allen nur denkbaren technischen Hilfen ,in dem er Orchideen züchtete, es war/ist sein Hobby.

Auf dieses Geschenk konnte ich mir einiges einbilden und habe noch viele Jahre daran viel Freude gehabt.
Das Ganze war so ein Höhepunkt für einen Handwerksmeister wie mich, ein Lohn für ausgezeichnete und ebenso gewürdigte Arbeit.

Fazit: Der Gesamtschaden belief sich auf 3,8 Millionen Mark, und der Kammerjäger war pleite. Seine Versicherung hatte nur eine Höhe von zwei Millionen Mark.
Kleines Tierchen, große Wirkung.

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